Berlin/Brandenburg

Umgang mit Hochbegabten

Ihren Wissens- und Reflektionsdurst befriedigen zu können, ist für hochbegabte Kinder und Jugendliche sehr wichtig. Werden ihre Fragen übergangen, als nervig oder gar dumm abgetan, können sogar psychosomatische Erkrankungen auftreten. Hochbegabte Kinder, die ausgebremst werden, können sich zudem zu sogenannten Underachievern entwickeln.

Proben sammeln Ihren Wissens- und Reflektionsdurst befriedigen zu können, ist für hochbegabte Kinder und Jugendliche sehr wichtig. Werden ihre Fragen übergangen, als nervig oder gar dumm abgetan, können sogar psychosomatische Erkrankungen auftreten. Hochbegabte Kinder, die ausgebremst werden, können sich zudem zu sogenannten Underachievern entwickeln – z.B. zu Schülern, die überhaupt keine Lust mehr zum Lernen haben oder die dann das „normale“ Pensum nicht mehr schaffen.

Daraus ergibt sich für Eltern, Erzieher und Lehrer die Notwendigkeit, den Kindern genügend Denk- und Lernangebote zu machen und vor allem nach Möglichkeit auf ihre jeweiligen Lernwünsche und –bedürfnisse einzugehen – auch wenn sie nicht alterstypisch sein sollten. Vor einer Überforderung muss man dabei keine Angst haben: Wenn man sie nicht geradezu zwingt, werden hochbegabte Kinder, wenn sie genug haben, dies schon zu erkennen geben.

Eltern können ihrem hochbegabten Kind eine Vielzahl von Angeboten machen: Eine anregende Umgebung, viele Bücher, Kurse, Gespräche, ein Musikinstrument – Was genau sinnvoll ist, hängt vom Einzelfall und den Interessen des Kindes ab.

In Lerngruppen, vor allem in der Schule, gestaltet sich die Situation oft schwieriger. Hochbegabte Kinder sind oft den Lehrplänen voraus. Andererseits muss die Lehrkraft noch vielen anderen Kindern und ihren Bedürfnissen Rechnung tragen. Die Hochbegabten, die sich langweilen, klinken sich u.U. aus, fangen an zu stören oder zu träumen, machen gar nicht mehr mit – wozu auch ? Die Lehrkraft wiederum vermag bei diesem desinteressierten, träumenden oder störenden Kind bald weder Begabung noch Anstrengungsbereitschaft zu erkennen und sieht folglich auch keine Förderungsnotwendigkeit – ein Teufelskreis.

Folgende Möglichkeiten haben sich im schulischen Umgang mit hochbegabten Kindern bewährt:

  1. Akzeleration:
    Das Kind durchläuft die Schule früher und/oder schneller als andere. Zu den Akzelerationsmöglichkeiten gehören insbesondere die vorzeitige Einschulung und das Überspringen von Klassen.
  2. Enrichment:
    Das Kind bekommt andere/anspruchsvollere Aufgabenstellungen, entweder individuell in der Klasse oder in einer Gruppe Gleichbefähigter, die zu diesem Zweck aus einer oder mehreren Schulklassen vorübergehend zusammengebracht werden.
  3. Separation:
    Hochbegabte werden in speziellen Klassen oder Schulen zusammen unterrichtet.

Natürlich sind auch vielfältige Mischformen zwischen Akzeleration, Enrichment und Separation denkbar, z.B. eine frühe Einschulung mit anschließendem Enrichment oder eine teilweise Akzeleration durch Unterricht in höheren Klassen in einzelnen Fächern, oder die Schnellläuferklassen, in denen besonders begabte Kinder zusammengefasst sind und in der Gruppe ein Jahr überspringen, usw.

Auf jeden Fall aber sollte geprüft werden, ob das Kind seinem Potential entsprechende kognitive Lernmöglichkeiten erhält oder ob hier noch Handlungsbedarf besteht. Aber Achtung: Ein glückliches, ausgeglichenes Kind muss nicht in jedem Fall und um jeden Preis – und womöglich noch gegen seinen Willen – eine Sonderbehandlung erfahren, nur weil es hochbegabt ist !

Ulrike Wolf, DGHK-BB

Weitere Informationen zu Förderungsmöglichkeiten für Hochbegabte finden Sie hier: